Teilnahme am MINT-Camp in Istanbul
Völkerverständigung am Bosporus
Zwei Schüler des Johann-Schöner-Gymnasiums besuchten die türkische Metropole Istanbul
"Türken in Karlstadt" - so lautete der Titel einer Main-Post-Reihe, die sich mit ausländischen Mitbürgern und ihrem Leben in der neuen Heimat beschäftigte. "Karlstädter in der Türkei" - so lässt sich der Besuch der Gymnasiasten Kristin Schüler und Thilo von Mansberg (beide K12) in Istanbul überschreiben. Die beiden nahmen als Vertreter des Johann-Schöner-Gymnasiums mit 18 anderen deutschen Schülern an einem Camp teil, das vom bundesweiten Netzwerk mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulen (MINT-EC) veranstaltet wurde. Erstmals fand dieses Camp im Ausland statt. Gastgeber vor Ort war das renommierte Istanbul Lisesi, ein staatliches Gymnasium, das einen besonders guten Ruf genießt. Aus der ganzen Türkei bewerben sich Kinder für diese Hochbegabten-Schule - aber nur ein Prozent davon wird nach einem strengen Auswahlverfahren aufgenommen.
So wird aus Blech ein Reisebus
Nach dem herzlichen Empfang durch die Gastgeber und einer kleinen Führung durch die Gastschule - vom Dach der Schule hat man einen grandiosen Ausblick auf die Stadt - sammelten die deutschen Gäste gemeinsam mit ihren türkischen Gastgebern erste Eindrücke von der Metropole am Bosporus. Am nächsten Tag machte sich die Gruppe dann am frühen Morgen auf die längere Reise zum türkischen Werk des deutschen Autokonzerns Mercedes-Benz in der Stadt Hoşdere.
Sehr beeindruckt waren die Schüler, als sie bei einem Rundgang durch die Fertigungshallen die Entstehung eines modernen Reisebusses vom Blech bis zum Endprodukt beobachten konnten. Im Ausbildungslabor durften die Schüler dann selbst Hand anlegen. Es wurde gelötet, gesägt, gestanzt, gebogen, gefräst und geschweißt. Besonders bemerkenswert war die unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen deutschen und türkischen Schülern, die sich ja erst wenige Stunden vorher kennen gelernt hatten.
Zuerst ins Museum und danach zur Generalkonsulin
Der dritte Tag stand zunächst ganz im Zeichen der Astronomie. Verschiedene Aufgaben wurden von den Schülern erneut in Gruppen bearbeitet. Ergänzt wurde die eigene Arbeit durch einen Besuch im Museum für Islamische Wissenschaften. Dabei stellte sich heraus, dass die islamische Astronomie der europäischen in vielen Erkenntnissen voraus war. Zum "krönenden" Abschluss des Tages nahmen alle Teilnehmer des MINT-Camps dann an einem Empfang im deutschen Generalkonsulat von Istanbul teil. Gastgeberin an diesem Abend war die deutsche Generalkonsulin Brita Wagener höchstpersönlich.
Auch Feilschen will gelernt sein
Höhepunkt des nächsten Tages war ein Vortrag von Herrn Haaß über das gigantische Marmaray-Projekt, das den asiatischen mit dem europäischen Teil Istanbuls unter dem Bosporus mit einem Tunnel unter dem Bosporus verbinden soll. Der Tunnel wird 14 Kilometer lang und teilweise in 60 Metern Tiefe angelegt sein. Herr Haaß berät mit seinem Team das türkische Verkehrsministerium in diesem Projekt. Nach dem Vortrag hatten die Schüler dann selbst Gelegenheit, ihre Arbeitsergebnisse zu den Astronomiethemen zu präsentieren.
Danach hatten sich deutsche und türkische Schüler ihre Freizeit redlich verdient. Gemeinsam wurden einige berühmte Sehenswürdigkeiten Istanbuls wie die Blaue Moschee, die Hagia Sophia und der Basar erkundet. Die türkischen Schüler erwiesen sich als hervorragende Stadtführer und gaben ihren deutschen Gästen sogar Tipps beim Feilschen auf dem Basar.
Wehmütiger Abschied
Wehmütige Abschiedsszenen bei der Abreise der deutschen Schüler zeigten, dass diese Tage auch in Sachen Völkerverständigung ein in jeder Hinsicht gelungenes Projekt waren. Thilo von Mansberg fasste seine Eindrücke so zusammen: "Ich war sehr positiv überrascht über unsere türkischen Partner. Ihr unkompliziertes Freizeitverhalten unterscheidet sich nur wenig von dem deutscher Jugendlicher."
In wenigen Tagen startet im übrigen wieder ein MINT-Camp mit zwei Vertretern des Johann-Schöner-Gymnasiums, diesmal findet es in Gmunden/Oberösterreich statt. Gelingt die Völkerverständigung mit den Österreichern ähnlich gut wie mit den Türken? Wir werden berichten!
Ulrich Hornung
Kontaktlehrer-MINT-EC
Bilder: vor Istanbul Lisesi und bei Mercedes-Türk






