Gelebte Erinnerungskultur- Die Bluse meiner Tante
In der Geschichtsstunde am 21. Mai 2026 habe ich mich mit meiner Tante Christina Stindl über ein ganz besonderes Kleidungsstück unterhalten. Eine Bluse.
Diese Bluse erzählt die Geschichte der Entrechtung und Vernichtung von Emma Löwenthal und ihrem Mann während der NS-Diktatur. Die Familie Löwenthal lebte ursprünglich in Estenfeld, musste dort die Gewalt des Mobs während des Novemberpogroms 1938 erleiden und wurde 1942 deportiert. Sie starben im Mai 1944 in Auschwitz.
Eine Bluse aus dem Besitz der Familie Löwenthal überstand als Geschenk an eine Estenfelder Freundin die Zeit und befindet sich bis heute im Besitz meiner Tante.
Im Zusammenhang mit gelebter Erinnerungskultur erzählte meine Tante vom Umgang ihrer Familie mit dem Holocaust und von ihrem persönlichen Engagement hinsichtlich gelebter Erinnerungskultur. Sie berichtete aber auch von ihrem erfolgreichen Versuch, Nachkommen der Familie Löwenthal zu finden und die Bluse zurückzugeben. Die Schülerinnen und Schüler der Q12 folgten gebannt dem Gespräch und stellten viele interessierte Fragen. Einen bleibenden Eindruck hinterließ die Videobotschaft des Urgroßneffen von Emma Löwenthal, Eran Azrieli aus Israel, dem es wichtig ist, dass die Bluse weiterhin die Geschichte der Familie Löwenthal erzählt, damit sich auch kommende Generationen mit der Shoa beschäftigen und sich die Geschichte nicht wiederholt.
Miriam Kuroptwa
Fotos: Sandra Hehn
