Erasmus in Neapel – Eine Woche voller Entdeckungen und Begegnungen



Auch in diesem Jahr machten sich 20 Schülerinnen und Schüler der Geographie- und Biologie-Leistungsfächer des Gymnasiums im Rahmen des Erasmus-Projekts auf den Weg nach Neapel. Bereits zum zweiten Mal fand der Austausch mit dem Liceo Virgilio in Pozzuoli statt – und die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den italienischen Partnerschülerinnen und -schülern war groß. Eine Woche lang erkundeten wir gemeinsam die Region, entdeckten spannende Zusammenhänge zwischen Natur und Geschichte und erlebten, wie lebendig Unterricht außerhalb des Klassenzimmers sein kann. Zwar machte uns das Wetter gelegentlich einen Strich durch die Rechnung, doch an vielfältigen Eindrücken und herzlichen Begegnungen mangelte es nicht. Nach der Ankunft am Dienstag erkundete die Gruppe zunächst das Stadtviertel Mergellina, in dem sie während der Reise untergebracht war. Bei einem gemeinsamen Treffen mit den italienischen Lehrkräften und einem gemütlichen Pizzaessen konnten erste Eindrücke ausgetauscht und die kommenden Tage besprochen werden. Schnell wurde deutlich: Das Wiedersehen mit unseren italienischen Partnerinnen und Partnern war herzlich und voller Freude. Wir waren gespannt auf die gemeinsamen Entdeckungen, neuen Begegnungen und vielfältigen Eindrücke, die uns in den nächsten Tagen erwarten würden. Am Mittwoch stand das Kennenlernen der italienischen Partnerschule in Pozzuoli auf dem Programm. Auch Schülerinnen und Schüler der benachbarten Scuola Media aus Pozzuoli waren neugierig auf die deutsche Gruppe und wollten den Austausch aktiv mitgestalten. Sie empfingen uns herzlich mit Musik und Gesang und verbrachten mit uns den Vormittag mit kreativen Workshops. Gemeinsam ging es anschließend zur Solfatara, mitten in die faszinierende Vulkanlandschaft der Phlegräischen Felder. Bei der Erkundung der Solfatara und des Serapis-Tempels wurde deutlich, wie eng die Geschichte der Region mit ihren geologischen Besonderheiten verknüpft ist. Besonders der Bradyseismus, das langsame Heben und Senken der Erdoberfläche, macht Pozzuoli zu einem außergewöhnlichen Beispiel dafür, wie dynamisch unsere Erde ist und wie stark Naturprozesse den Alltag der Menschen beeinflussen. Der Donnerstag gehörte der Stadt Neapel und ihrer kulturellen Vielfalt. Bei einer Stadterkundung entdeckten die Schülerinnen und Schüler die besonderen Facetten der süditalienischen Metropole. Ein Besuch des theologischen Instituts in Posillipo eröffnete weitere Einblicke in die Geschichte und das kulturelle Leben der Stadt. Ergänzt wurde das Programm dort durch einen Vortrag über die Kunst Neapels, der den Blick für die künstlerischen Spuren schärfte, die sich in Kirchen, Gebäuden und öffentlichen Plätzen finden lassen. So wurde deutlich, dass sich eine Stadt nicht nur durch ihre Lage und ihre Entwicklung, sondern ebenso durch ihre Kultur und die Menschen, die sie prägen, verstehen lässt. Am Freitag rückte die Biologie in den Mittelpunkt. Im Aquarium von Neapel beschäftigte sich die Gruppe mit der faszinierenden Unterwasserwelt des Mittelmeers. Dabei bot sich die Gelegenheit, marine Lebensräume und ihre Bewohner näher kennenzulernen und die Bedeutung des Schutzes empfindlicher Ökosysteme zu reflektieren. Am Samstag führte die Exkursion zuerst nach Portici zum Turtle Point, wo sich alles um Meeresschildkröten und den Schutz dieser besonderen Tiere drehte. Hier wurde anschaulich, wie wichtig Forschung, Artenschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Meeresumwelt sind. Anschließend ging es nach Ercolano, wo die antike Stadtgeschichte erneut lebendig wurde. Die Ausgrabungen erinnern bis heute eindrucksvoll an den verheerenden Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. Eine weitere Perspektive auf die Vergangenheit eröffnete das MAV, das Museo Archeologico Virtuale. Mithilfe moderner digitaler Technologien werden dort das Leben in den antiken Städten und die Folgen des Vulkanausbruchs auf anschauliche Weise erfahrbar. Geologie, Geschichte und moderne Vermittlung ergänzten sich hier auf besondere Weise. Nach einem letzten Abendessen hieß es schließlich Abschied nehmen: Mit vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und Erinnerungen im Gepäck trat die Gruppe die Heimreise im Nachtzug an. Die Woche hatte gezeigt, wie vielfältig sich Geographie und Biologie außerhalb des Klassenzimmers entdecken lassen – von den geologischen Prozessen der Phlegräischen Felder über die Artenvielfalt des Mittelmeers bis hin zum Zusammenspiel von Natur und menschlicher Geschichte.

Eine kleine Enttäuschung blieb allerdings: Aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen war der Vesuv gesperrt, sodass die geplante Besteigung des berühmten Vulkans leider ausfallen musste. Vielleicht war das ja ein Wink des Schicksals – und eine Einladung, noch einmal nach Neapel zurückzukehren?

Text: Andrea Meyerhöfer
Bilder: Andrea Meyerhöfer, Andreas Haas

verfasst von M.Wolf am