SCHUTZKONZEPT
Gemeinsam Verantwortung übernehmen – unser Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt
Ein sicherer Ort zum Lernen und Leben: Wie am Johann-Schöner-Gymnasium Karlstadt ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt entstanden ist und weiterentwickelt wird
Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Lebensraum, in dem junge Menschen Vertrauen erfahren, sich entfalten und ihre Persönlichkeit entwickeln sollen. Damit dies gelingt, müssen sich alle Schülerinnen und Schüler bei uns sicher und geschützt fühlen können. Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist deshalb eine gemeinsame Aufgabe, der wir uns als Schulgemeinschaft bewusst stellen.
Im Frühjahr 2025 haben wir uns am Johann-Schöner-Gymnasium Karlstadt auf den Weg gemacht, ein umfassendes Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt zu entwickeln. Rückblickend haben wir dafür trotz intensiven Arbeitens weit mehr als ein Jahr benötigt. Ziel war und ist es, mögliche Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, präventiv zu handeln, klare Verhaltensregeln zu vereinbaren und im Verdachtsfall Orientierung und Handlungssicherheit zu schaffen.
Ein gemeinsamer Entwicklungsprozess
Den Auftakt bildeten Anfang März 2025 Gespräche zwischen der erweiterten Schulleitung und den Vertrauenslehrkräften mit dem Ziel, ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt zu entwickeln. Schnell wurde deutlich, dass ein Schutzkonzept nicht einfach aus einzelnen Regeln oder Vorgaben bestehen kann. Es braucht vielmehr eine gemeinsame Haltung, verbindliche Absprachen und Strukturen, die im schulischen Alltag tatsächlich wirksam werden.
Am 26. März 2025 kam deshalb erstmals ein Runder Tisch zusammen. An der Entwicklung waren und sind unterschiedliche Perspektiven aus unserer Schule beteiligt: die erweiterte Schulleitung, Vertrauenslehrkräfte, das Schulentwicklungsteam, die Schulpsychologie, die Beratungslehrkraft, die Schulsozialarbeit, die Offene Ganztagsschule, das Sekretariat und vier weitere engagierte Kolleginnen. Auch die Expertise externer Fachstellen wurde und wird einbezogen.
In mehreren Arbeitsschritten wurden die notwendigen Bestandteile des Schutzkonzepts erarbeitet, Aufgaben verteilt und die nächsten Schritte geplant. Eine besondere Bedeutung erhielt dabei die Risikoanalyse: Wo können im schulischen Alltag Situationen entstehen, die Unsicherheiten oder Gefährdungen mit sich bringen? Welche Rahmenbedingungen müssen wir genauer betrachten? Und welche Maßnahmen helfen, Risiken zu verringern und Schutz zu stärken?
Im weiteren Verlauf wurde der Kreis der Beteiligten bewusst erweitert:
In einer anonymen Umfrage aller Schülerinnen und Schüler der 8.-12. Jahrgangsstufe wurde das allgemeine Wohlbefinden und die Sicherheit, die Mitbestimmung sowie das Achten von Grenzen hinsichtlich Nähe und Distanz, aber auch im Hinblick auf die Sprache ermittelt. Pädagogische Konferenzen und Fachsitzungen wurden genutzt, um unterschiedliche schulische Situationen in den Blick zu nehmen. Denn die Anforderungen können je nach Fach, Raum, Unterrichtssituation, Exkursion oder Schullandheimaufenthalt unterschiedlich sein.
Ein wichtiger Baustein war zudem die Fortbildung von Mitgliedern der Schulleitung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse halfen, konkrete Interventionspläne und Handlungshilfen für den schulischen Alltag vorzubereiten.
Die Bausteine unseres Schutzkonzepts
Unser Schutzkonzept verstehen wir als ein zusammenhängendes Ganzes. Die einzelnen Elemente greifen ineinander und bilden gemeinsam das Fundament für einen achtsamen, respektvollen und verlässlichen Umgang miteinander.
- Leitbild: Wir verständigen uns auf die Haltung und die Werte, die unser Handeln prägen und den Schutz der uns anvertrauten jungen Menschen in den Mittelpunkt stellen.
- Kooperation: Wir arbeiten innerhalb der Schule und mit geeigneten externen Fachstellen zusammen, um unterschiedliche Kompetenzen zu bündeln und bei Bedarf Unterstützung einzubeziehen.
- Interventionsplan: Für Situationen, in denen ein Verdacht auf sexualisierte Gewalt entsteht oder ein entsprechender Vorfall bekannt wird, haben wir klare Abläufe und konkrete Handlungshilfen.
- Ansprechpartner: Schülerinnen und Schüler sowie weitere Mitglieder der Schulgemeinschaft sollen wissen, an wen sie sich mit Fragen, Unsicherheiten oder Sorgen wenden können. Dafür gibt es eigens von der Fachschaft Kunst angefertigte Aufkleber, die im Schulhaus verteilt angebracht sind.
- Verhaltenskodex: Gemeinsame Regeln schaffen Klarheit darüber, welches Verhalten wir voneinander erwarten und welche Grenzen im schulischen Miteinander gelten.
- Prävention: Durch Information, Sensibilisierung und die bewusste Gestaltung des Schulalltags wollen wir dazu beitragen, Grenzverletzungen vorzubeugen und die Wahrnehmung für problematische Situationen zu stärken.
- Risikoanalyse: Wir betrachten unsere schulischen Strukturen und Alltagssituationen kritisch, um mögliche Risiken zu erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Diese Bausteine stehen nicht unverbunden nebeneinander. Sie ergänzen sich wie Teile eines Puzzles: Erst im Zusammenspiel entsteht ein tragfähiges Schutzkonzept.
Der Verhaltenskodex – gemeinsam Haltung zeigen
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit lag auf der Entwicklung eines gemeinsamen Verhaltenskodexes. Er soll Orientierung geben, Grenzen verdeutlichen und dazu beitragen, einen respektvollen und professionellen Umgang miteinander zu gewährleisten.
Im Sommer 2026 wurde der Entwurf dem Kollegium zur Rückmeldung vorgelegt und in einer Pädagogischen Konferenz gemeinsam beraten. Die eingegangenen Anregungen wurden aufgenommen und bei der Überarbeitung berücksichtigt. Im September 2026 wurde der gemeinsame Verhaltenskodex abgestimmt.
Ergänzend wurde eine Selbstverpflichtungserklärung eingeführt, die von allen an der Schule tätigen Personen unterzeichnet werden soll.
Darüber hinaus wird der Verhaltenskodex in den einzelnen Fachschaften konkretisiert. So können auch besondere Situationen des jeweiligen Fachunterrichts und außerunterrichtlicher Veranstaltungen angemessen berücksichtigt werden.
Schutz ist eine gemeinsame Aufgabe
Ein Schutzkonzept kann nur dann wirksam sein, wenn es von der gesamten Schulgemeinschaft getragen wird. Deshalb beziehen wir neben den Lehrkräften auch die Schülerinnen und Schüler, insbesondere über die SMV, sowie die Elternvertretungen in die weitere Umsetzung ein.
Entscheidend ist, dass alle Beteiligten wissen, welche Verhaltensregeln gelten, wo sie Unterstützung finden und wie sie bei möglichen Grenzverletzungen oder Verdachtsfällen handeln können. Ein Schutzkonzept soll nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern im Alltag Orientierung geben und Sicherheit schaffen.
Ein Prozess, der weitergeht
Mit der Erarbeitung der zentralen Bestandteile ist ein wichtiger Schritt getan. Zugleich verstehen wir unser Schutzkonzept nicht als abgeschlossenes Dokument, sondern als fortlaufenden Entwicklungsprozess. Weitere Aufgaben bestehen darin, die Inhalte noch verständlicher aufzubereiten, sie stärker im Leitbild unserer Schule zu verankern und die einzelnen Maßnahmen kontinuierlich zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Unser besonderer Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen sowie den beteiligten schulischen und außerschulischen Partnern, die ihre Zeit, ihre fachliche Expertise und ihre Bereitschaft zum offenen Austausch in diesen Prozess eingebracht haben.
Unser Ziel ist klar: Das Johann-Schöner-Gymnasium soll ein Ort sein, an dem junge Menschen lernen, sich entwickeln und Vertrauen fassen können – in einer Atmosphäre, die von Respekt und Achtsamkeit geprägt ist. Dafür übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung.
